BAUMFARNE_TITEL

Baumfarne gehören zu den faszinierendsten Pflanzen der Welt.
Einst waren sie auch in Mitteleuropa zu finden, aber sie haben die Eiszeiten - im Gegensatz etwa zum Efeu - nicht überlebt. Heute wachsen sie in tropischen oder temperierten Regionen Australiens, Neuseelands, vereinzelt auch in Südamerika. Im 19.Jahrhundert wurden die ersten Baumfarne (wieder) nach Europa gebracht. Hier werden sie heute als dekorative Pflanzen in Parks geschätzt. Wo das nicht möglich ist, hält man sie als Kübelpflanzen.

Alle Baumfarne sind seit dem Washingtoner Artenschutz-Abkommen streng geschützt und dürfen nur mit Sondergenehmigungen und entsprechenden Zertifikaten gehandelt werden (siehe unten).

Weiter unten auf dieser Seite gibt es ein paar Tipps zur Vermehrung aus Sporen und den Verweis auf eine kleine Fotosammlung.


Baumfarne als Park-Pflanzen


Der heute auch in Teilen Mitteleuropas (Irland, England, Schottland) am weitesten verbreitete Baumfarn ist Dicksonia antarctica. Auf den 'britischen' Inseln sagt dem Farn das Klima besonders zu: Es gibt keine strengen Fröste und (besonders wichtig) keinen tief gefrorenen Boden. Ebenso schätzt er hohe Luftfeuchtigkeit und relativ regelmäßige Regengüsse.

Ursprünglich waren die Dicksonias als dekorative Parkpflanzen vorgesehen. In einigen Regionen (Cornwall, Südwest-Irland) fanden sie derart 'heimatliche" Bedingungen vor, dass sie sich am Standort vermehrten und nach und nach Bestände bildeten, die in der Landessprache als 'naturalized' bezeichnet werden. So bildeten sich mit der Zeit beeindruckende Baumfarn-Dschungel, so wie hier auf der Abbildung zu sehen in Derreen Gardens, Irland.

Dicksonias_Brücke


Die ersten Dicksonias kamen zu Beginn des 19.Jahrhunderts nach Europa - zu einer Zeit, als sich der englische 'Landschaftsgarten' etablierte und wohlhabende Landlords Himmel und Hölle in Bewegung setzten, um Pflanzen aus aller Welt auf ihrem Anwesen zu etablieren. Es wird berichtet, dass die Stämme - als Ballast - ohne Wurzeln und Wedel verschifft wurden, dann wurden sie hier in Europa zur Bewurzelung gebracht.
Die ersten Dicksonias in Irland wurden in den 1890ern gepflanzt, und zwar vom damaligen Besitzer von Rossdohan Island, einer künstlich angelegten Park-Insel in der Kenmare Bay, Irland, Co.Kerry. Er hatte über seine Gattin Beziehungen nach Australien, und so war es ein leichtes für ihn, Pflanzen aus der Region 'down under' zu bekommen. Man vermutet, dass viele irische Baumfarne von dieser ersten Pflanzung abstammen, auch die in Derreen Gardens, wo die Fotos für dieses Kapitel aufgenommen wurden.
Wie viele Landsitze wurden im Zuge der irischen Befreiungs-Unruhen auch Derreen und Rossdohan niedergebrannt. Geblieben ist auf Rossdohan Island die Ruine des Herrenhauses und der inzwischen märchenhaft verwilderte Park auf diesem 'verwunschenen' Fleckchen Erde. Es befindet sich heute in Privatbesitz und ist nur schwer zugänglich. Derreen House wurde wieder aufgebaut, und der gesamte Park ist heute für Besucher zugänglich.

King's Ooozy

Auf diesem Foto ist der 'King's Oozy' zu sehen, einem Spazierweg durch Derreen Gardens, bei dem man das Gefühl hat, durch einen Dschungel zu gehen. Baumfarne sorgen zusammen mit Rhododendren und Bambus für die ensprechend 'verwilderte' Optik, das feuchtmilde Kleinklima tut das seine dazu.

Aber man muss nicht unbedingt einen riesigen Park sein Eigen nennen, um Baumfarne zu halten, denn viele Baumfarne sind ideale und pflegeleichte Kübelpflanzen...

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Baumfarne_Kübel_Titel

Es gab und gibt erfolgreiche Versuche, den härtesten aller Baumfarne (Dicksonia antarctica) im kontinentalen Mitteleuropa auszupflanzen. Das kann funktionieren, wenn es gelingt, den Wurzelbereich frostfrei zu halten. Das ist in milden Regionen mit der passenden Mulchdecke sicher nicht schwierig. Aber auch der Stamm sollte keinen tiefen Temperaturen ausgesetzt werden; hier müssen aufwendigere Maßnahmen und ein Heizkabel oder Ähnliches her. Der große Blattschopf friert ohnehin bei ca. -5°C ab, die Pflanze kann blattlos überwintert werden.

Sicherer aber ist die Haltung als Kübelpflanze; wenn ihr hier die richtigen Bedingungen gegeben werden, ist sie überaus pflegeleicht.


Baumfarne sind keine Zimmerpflanzen! Als Bewohner von Regen- und Nebelwäldern der Südhalbkugel kommen weder die tropischen noch die subtropischen Arten mit der winterlichen Heizungsluft zurecht. Zwar kann man ihnen durch Sprühen oder andere Maßnahmen das Leben erleichtern, aber wirklich 'glückliche' Pflanzen werden es nicht sein - was man ihnen auch ansehen wird.
Ideal für die Kalthaus-Farne sind Überwinterungstemperaturen um +5°C; wenn man die Farne blattlos überwintern will (was bei älteren Exemplaren problemlos möglich ist), kann das Winterquartier auch dunkel sein. Die Pflanzen werden nur mäßig feucht gehalten, Staunässe ist tödlich. Sie dürfen aber auch nicht austrocknen.
Will man die Wedel erhalten, so sollte man sie vor herabtropfendem Kondenswasser schützen. Ein feuchter Stamm hingegen bekommt den Pflanzen zu jeder Jahreszeit gut, schließlich handelt es sich um einen Scheinstamm aus Wurzelbündeln!
Der Topf bzw. Container muss einen guten Wasserabzug haben. Gießen mit Regenwasser ist ideal; allerdings sind Baumfarne auch mit Leitungswasser gut zu halten. Als Erde eignen sich humose, durchlässige Substrate. Eine Mischung aus hochwertiger Pflanzerde und Rhododendronerde hat sich als ideal heausgestellt, man sollte sie mit ensprechenden Beimischungen (Sand, Blähton, Perlite) durchlässiger machen und zur Strukturstabilisierung ein wenig sogenannten 'Rindenmulch' hinzufügen.
Baumfarne haben einen recht hohen Nährstoffbedarf, reagieren aber empfindlich auf Überdüngung. Daher sollte regelmäßig in nicht zu hohen Konzentrationen gedüngt werden. Ideal sind gekapselte Dauerdünger. - Das sind die, die auf die mit der Silbe '-cote' enden wie etwa Osmocote oder Plantacote.


Dicksonia im Kübel

Baumfarne kommen mit relativ kleinen Pflanzgefäßen
aus, wenn sie entsprechend versorgt werden.
Anders als auf diesem Foto (aus dem Netz) zu sehen sagen ihnen
halbschattige bis schattige Standorte am ehesten zu.
Sie kommen mit geringen Lichtmengen gut zurecht.

Es gibt etliche Baumfarne, die als Kübelpflanzen gut geignet sind, zum Beispiel:
  • Dicksonia antarctica
  • Dicksonia squarrosa
  • Dicksonia fibrosa
  • Cyathea dealbata
  • Cyathea medullaris
  • Sphaeropteris cooperi
Google sei dank ist es nicht allzu schwierig, zu diesen Pflanzen geeignete Quellen zu finden.

Aber, Google sei dank, man sollte schon genauer hinschauen, welche Ware hier und da angeboten wird.......
Alle Baumfarne sind gemäß dem Washingtoner Artenschutz-Abkommen geschützt. Eigentlich.

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Internationaler Handel mit Baumfarnen

Verladen zum Export

'KLAR SCHIFF' für den Export...

Alle Baumfarne sind gemäß dem Washingtoner Artenschutz-Abkommen geschützt und dürfen nur mit Sondergenehmigungen gehandelt werden. Jedes Exemplar muss entsprechend zertifiziert sein. Dennoch ist ein zunehmend reger Handel zu verzeichnen.
Die Neuseeländische Regierung erteilt einzelnen Firmen Genehmigungen zur Rodung von Baumfarnen, die sich als 'Unterholz' in Kulturwäldern gebildet haben. Diese Pflanzen dürfen vorm Fällen der 'Nutzpflanzen' entfernt und gehandelt werden. Ein entsprechendes Beispiel (von dort auch das obige Foto) findet man hier.
Auf der gleichen Seite gibt es eine Übersicht der angebotenen Pflanzen (für weitere Fotos dort das Kamera-Symbol anklicken).

Allerdings gab es auch den Fall, dass Baumfarne aus urprünglichem Regenwald gehandelt wurden, weil dieser 'ohnehin' für wirtschaftliche Zwecke gerodet werden sollte. Die 'Philosophie', die dahinter steht, ist schon etwas merkwürdig: Wenn auch Besuchern die Baumfarne dort wie 'Unkraut' vorkommen, so sieht doch ein Flächenland die einzige Überlebenschance seiner geschützten und bedrohten Pflanzen darin, sie nach Übersee (ausgerechnet nach Europa...) zu exportieren??? --- Es lässt sich nicht nachvollziehen, ob weiterhin so verfahren wird: Seltsamerweise ist die Seite mit den entsprechenden Hinweisen und Angeboten spurlos aus dem Netz verschwunden.....

Wie auch immer, als 'Endverbraucher' sollte man sich vielleicht einige Gedanken zu diesem Thema machen und ruhig mal nachfragen, woher die angebotenen Pflanzen denn eigentlich kommen, ob sie der Natur entnommen oder in Kultur vermehrt sind. - Nun ja, die Frage nach dem eigentlich vorgeschriebenen Zertifikat konnte mir noch niemand beantworten.....
Könnte man Pfanzen erwerben, die nachgewiesenermaßen aus Vermehrungskulturen kommen, wäre man auf der sicheren Seite. Das Problem ist nur, dass die meisten Baumfarne langsam wachsen und damit sowohl die Preise als auch die Gewinnspanne bei Kulturpflanzen zum Problem werden. Zudem sind Baumfarne mit Sicherheit keine klassischen Gartencenterprodukte, eine rentable Produktion im großen Stil ist daher nicht naheliegend.

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Vermehrung von Baumfarnen

Jungpflanzen

Zweijährige Jungpflanzen:
Sphaeroperis cooperi (li), Dicksonia antarctica (re)
nebst Gartenschere eines namhaften Herstellers.



Wie alle Farne vermehren sich auch Baumfarne als blütenlose Pflanzen über Sporen. Aus diesen Sporen bildet sich zunächst ein Vorkeim, auf dem dann die eigentliche 'Befruchtung' stattfindet. Erst danach kann sich der eigentliche Keim bilden. Einen Eindruck von diesem spannenden Prozess kann man auf den folgenden beiden Fotos erhalten.

An dieser Stelle DANKE für die Fotos an Klaus Wilhelm (homepage).

Prothallien

Auf den Vorkeimen (Prothallien) kommt es (bei ständiger Feuchtigkeit)
zur eigentlichen Befruchtrung.


Erste Wedel

Nach der Befruchtung erscheinen die ersten winzigen Wedel.
Ein Blick auf den Maßstab verdeutlicht den bescheidenen Anfang
eines riesigen Baumfarns.


Die Anzucht aus Sporen ist NIX für Ungeduldige!!! Speziell Dicksonia antarctica keimt und wächst sehr langsam, bis zum 'Schmuckstück' vergehen Jahre. Sollte die Möglichkeit bestehen, Sporen aus zuverlässiger Quelle zu erhalten, so kann ich dennoch zur faszinierenden Geduldsprobe nur raten!

Hier eine kleine Hilfestellung nach meinen Erfahrungen:

BAUMFARNKULTUR AUS SPOREN (PDF Download)

Wer Baumfarne in ihrer ganzen Pracht erleben möchte, dem sei ein Besuch der Schauhäuser unserer Botanischen Gärten empfohlen. Oder ein Besuch alter Parks in Cornwall, Schottland, Irland. Oder eine Reise nach Australien bzw. Neuseeland.

Ersatzweise hier ein paar Fotos in den Galerien.

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Baumfarne in Derreen